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Der
Metzger gehört wie der Bäcker, Schmied, Töpfer und Tuchmacher zu den
Ur-Handwerkern. Die Verwertung von Fleisch war für das Überleben notwendig,
und so kann das Fleischerhandwerk bis in die Steinzeit zurückverfolgt
werden. Fleisch galt seit alters her als besonderes Nahrungsmittel, als
Statussymbol für die Oberschichten. Denn schon in der Antike konnten sich
nur die Wohlhabenden frisches Fleisch leisten.
Auch „Schlachter“, „Fleischer“, „Fleischhauer“, „Knochenhauer“, „Fleischmenger“
oder lateinisch „carnifex“ genannt, ist der Metzger seit dem 12. Jahrhundert
in deutschen Städten organisiert und seit dem 13. Jahrhundert als Zunft
belegt. Der Beruf entsteht aus dem Verlangen der Viehbesitzer nach einem
Praktiker für die Hausschlachtungen. Die Städte wachsen, Arbeitsteilung wird
notwendig, auch aus hygienischen Gründen: Am Stadtrand entstehen
Schlachthäuser, auf den Marktplätzen die Fleischbänke als Verkaufsstellen.
Denn der Urmetzger verkauft seine Ware nicht – wie heute – in einem Gebäude.
Vielmehr zieht er zunächst mit seinem Wagen, einer kleinen transportablen
Fleischbank, ausgerüstet mit Hackklotz, Waage, Fleischhaken, Beil und
Messer, von Markttag zu Markttag. Als mit der Entwicklung des städtischen
Lebens zunehmend an allen Werktagen verkauft wird, baut man feste
Einrichtungen für die Fleischbänke, die die Metzger pachten können.
Die Fleischbänke gehören teils den Landesherren, teils den Städten oder den
Zünften. Die Fleischbänke von Landesherren und Städten sind unterschiedlich
teuer. Die Zünfte wiederum verlosen ihre Fleischbänke nur für einen
begrenzten Zeitraum. In vielen Städten dürfen nur Ortsansässige in der
Fleischbank stehen.
In großen Städten entwickeln sich aus den Fleischbänken die Schirn, Gassen
und Straßen, sogar ganze Viertel, in denen die Metzger gemeinsam wohnen und
arbeiten. In München benutzen die „Bankmetzger“ bis 1878 die zwei
öffentlichen Schlachthäuser am Färbergraben und am Viktualienmarkt, am Fuß
des Petersbergls. (Die Stadtmauer verläuft damals vom Färbergraben über das
Rosental, Viktualienmarkt, Sparkassenstraße, den Hofgraben, Schäfflerstraße,
Löwengrube und Augustinerstraße.) Unterhalb des Petersbergls haben die
Metzger auch heute noch ihre eigene Ladenzeile.
Die übrigen Metzger (1782 gibt es 65 Zunftmetzger in München) und Gastwirte
schlachten zu Hause, teilweise in Hinterhöfen, über die ganze Stadt
verstreut. Die Pflichten des Handwerks sind streng geregelt. So müssen die
Metzger an zwei Tagen in der Woche bis mittags 12 Uhr die Waren feilbieten,
die schon damals von der Stadt nach Qualität und Preis kontrolliert werden.
Die Qualitätsprüfung des Fleisches ist ein zentrales Problem aller
Metzgerordnungen. Die Fleischbeschau besteht im Mittelalter zunächst aus der
Begutachtung eines lebenden Tieres.
Eine weitere Prüfung findet nach der
Schlachtung im Schlachthaus (bereits im 13. Jahrhundert sind Schlachthäuser
urkundlich nachgewiesen) und manchmal auch nach der Verarbeitung statt. Es
werden bestimmte Stunden festgelegt, an denen die Metzger ihre Arbeit an der
Fleischbank aufnehmen sollen. Zu diesem Zeitpunkt ist auch der Schätzer zur
Stelle, prüft die Qualität des Fleisches und legt die Preise fest. Das
Fleisch kranker Tiere wird im Mittelalter beispielsweise nicht als unbedingt
gesundheitsschädlich angesehen, Krankheit mindert lediglich den Wert der
Ware.
Die mittelalterliche Fleischbeschau ist also erst in zweiter Linie eine
hygienische Maßnahme, vordergründig geht es um die Preisgestaltung. Erst
nach der Fleischbeschau kann der Verkauf beginnen. Die verschiedenen
Fleischsorten müssen getrennt liegen, so dass jedermann sie sofort erkennen
kann.
Einige Bestimmungen aus Metzgerordnungen des 15. und 16. Jahrhunderts:
Wichtig für
das Fleischerhandwerk sind die kirchlichen Fastenzeiten. Im 15. Jahrhundert
darf in Augsburg der Metzger beispielsweise zwischen Faschingsdienstag und
Ostern nur in den Häusern der Bürger schlachten und einen öffentlichen
Fleischverkauf gibt es in dieser Zeit nicht.
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